ZONO RADIO JENA - Das Programm am 25.11.2012

ZONO RADIO JENA
präsentiert
"JENA STEHT AUF GEGEN RECHTS"
(Veranstaltung vom 15. Juni 2005)


Schon viele Jahre bewegen die Jenaer rechte Gewalt und Gesinnung in der Lichtstadt. Schon lange bevor sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos das Leben nahmen, bevor sich Beate Zschäpe der Polizei in Jena stellte, sechseinhalb Jahre bevor bekannt wurde, dass es eine Terrorgruppe namens "Nationalsozialistischer Untergrund" / "NSU" gab und welche Verbrechen diese begangen hat, stand man in Jena auf gegen rechts.

Am 11. Juni 2005 (Böhnhardt und Mundlos hatten zwei Tage zuvor in Nürnberg İsmail Yaşar, Inhaber eines Döner-Kebap-Imbisses, erschossen und töteten vier Tage später in München Theodoros Boulgarides, Mitinhaber eines Schlüsseldienstes; hiervon wusste jedoch damals niemand etwas...) gab es in der Lichtstadt eine Veranstaltung auf dem Theatervorplatz als Gegenveranstaltung zum, von "NSU"-Helfer Ralf Wohlleben, zeitgleich in Jena veranstalteten "Fest der Völker".

Zwei Stunden der Radioübertragung dieser Veranstaltung gibt es heute nochmals zu hören mit Liveschaltungen, Interviews und Gesprächen sowie einer Rede des Schriftstellers Erich Loest mit dessen prophetischen Worten: "Mit einem Verbot der Nazipartei wäre ihr Geist natürlich nicht ausgerottet. Niemand sollte befürchten, dann ginge er in den Untergrund, denn dort haust er längst: verzweigt, verquickt, wuchernd." Darin eingebettet ist Rainer Sauers Programm "Führer-Los", der damit am 15. Juni 2005 auf der Hauptbühne des Theaterhauses auftrat.

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"RE - POP|SUNDAY*" - Die Ausgabe "November 2012"
von und mit Lutz Mühlfriedel
 



"Nichts als die nackte Wahrheit" 
(Feuilletons von JAN SKÁCEL)


"Ich würde gern so schön schweigen können wie die Steine." (Jan Skácel)


"Oft fragte ich mich (und ich frage mich weiterhin), wie Jan Skácel zu einem Meister des Landschaftsgedichts werden konnte, da er doch Feld und Wald überhaupt nicht zu beachten schien; da er kaum je den Blick hob, kaum je innehielt, um sich irgendetwas genauer anzusehn. Seine Art zu gehn und im Gehn den Blick zum Boden gesenkt zu halten, machte auf mich den Eindruck, als würde er die Landschaft gleichsam einlesen, um sie später in der Kneipe oder daheim in der Küche in seinem Heft niederzuschreiben. […] Aufgefallen ist mir außerdem, dass Skácel, dessen feiner Humor und subtile Melancholie einen Großteil seiner Lyrik unverwechselbar imprägniert haben, nie gelacht, auch nie gelächelt hat. Sein schönes, kraftvoll geschnitztes Gesicht war beherrscht von tiefen, fast schwarzen Augen unter ungewöhnlich buschigen Brauen; es ließ keine momentanen Regungen erkennen, wirkte insgesamt eher düster, jedenfalls sehr ernst und hellte sich – soweit ich mich erinnere – niemals auf. Skácels zarte Gestalt gewann durch den dominanten, wiewohl fast immer gesenkten Kopf einen gravitätischen, Respekt heischenden Ausdruck."
(Felix Philipp Ingold)

"Wer ist nun Jan Skácel? Wo kommen seine herrlichen Gedichte her? Was ist ihre Abstammung? Mit wem sind sie verwandt? Stehen sie ganz für sich? Was haben sie womit gemeinsam? Klar ist nur: Jedes Kind könnte sie begreifen — vor allem die Kinder —, sie brauchen keine Vergleiche, und doch wird meine Lust, darüber zu reden und die Gedichte weiterzugeben, begleitet, ohne dass ich darauf aus bin, von Vergleichslust, Erinnerungen, Bildern, Klängen. […] … Skácels Gedichte wecken in mir Leser neu den Psalmenklang, aber nicht den vertikalen, gerichtet hinauf zum Himmel, sondern einen, der durch die Ebenen hin zum Horizont geht und diesen umkreist; ja, jedes der Gedichte, wie sonst nur die große Musik, eröffnet in mir einen Rundblick […], wenn ich das „Über den Wassern, ach, über den Wassern erhob sich ein Vogel ins Blau. Keiner weiß wie, keiner weiß, wann der Vogel sich über die Wasser erhob, über den Drahtverhau" als Country & Western Song höre, gesungen vom blutjungen Bob Dylan, frisch angekommen in Manhattan aus dem Seengebiet von Minnesota ..."
(Peter Handke)

"Der erste Band mit «Kursivglossen» oder «Kleinen Rezensionen», wie der Dichter aus Mähren seine Kleinprosa nennt, erschien bereits 1964 (deutsch 1994), der zweite erst knapp dreißig Jahre später, als Zensur, kommunistisches Regime und selbst der Staat verschwunden waren, in dem Jan Skácel (mit Ausnahme der Kriegsjahre als Zwangsarbeiter in Österreich) sein ganzes Leben verbracht hat. Er hat das alles nicht mehr erlebt. Er starb am 7. November 1989, zweieinhalb Wochen bevor mit dem Abtreten des alten Regimes auch das über ihn verhängte Publikationsverbot zum Anachronismus wurde. Die zwei Pferdchen, ein «weißes und ein schwarzes», mit denen er auf den Friedhof gefahren zu werden wünschte, sind erst jetzt ein Gespann. […] Der Humor, der in diesen Stücken so etwas wie die dynamische Mitte bildet und zugleich gutmütig und grotesk, bissig und versöhnlich zu sein weiß, gründet in der Gemeinschaft von Zweifel und Güte, in einer unerbittlichen Versöhnlichkeit und – im tiefsten – einem kindlichen, niemals naiven Staunen, dem Kristallisationszentrum des Dichterischen … […] In einer Zeit, die mehr und mehr das Wunder mit dem Sensationellen, das Geheimnisvolle mit dem Mysteriösen verwechselt, hat diese Fähigkeit, über «geringe Dinge» sich zu wundern und zu staunen und sich im übrigen nicht allzu wichtig zu nehmen, etwas Beglückendes. Sie taucht die Texte des Büchleins in ein mildes Licht, ein Herbstlicht vielleicht, in dem die tiefer werdenden Schatten unter den Augen das Helle darin notwendig und behutsam umschließen."

(Taja Gut)

Re-Pop|Sunday* Nachschlag:
 

Radio Speziale* Replay: Eine Sendung in Erinnerung an Steffen Müller, der im November 50 Jahre alt geworden wäre


Zu empfangen ist all das wie immer in Ostthüringen über UKW 103,4 MHz bzw. 107,9 Mhz im Kabelnetz oder auch zeitgleich im Internet bei ZONO RADIO JENA über den RADIO OKJ Link unseres Webplayers (klick!).

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